Stodertal „Haute Route“

Stodertal Haute Route Tag 1
Stodertal Haute Route Tag 2

Allgemeines: Man braucht nicht unbedingt nach Chamonix zu reisen, um eine klassische Haute Route zu machen. Nach der ersten Etappe der Toten Gebirge Ãœberquerung vor ein paar Jahren – vom Loser nach Hinterstoder – nutzten wir das traumhafte März Wochende, um die Etappen von der Wurzeralm zur Tauplitz und retour nach Hinterstoder zu machen – und glaubt uns, es zahlt sich aus.

Mühen: gesamt ca. 2200 hm, 42 km und 13h
Tag 1: ca. 1000hm, 23km und 7h
Tag 2: ca. 1200hm, 19km und 6h

Ausgangspunkt: Wurzeralm Frauenkar

Routenbeschreibung:
Tag 1
Zugegebenermaßen war der Aufstieg mittels Standseilbahn und Sessellift zum Frauenkar um Euro 16.50 zwar nicht sehr günstig, dennoch im Hinblick auf die vor uns liegende Strecke auf jeden Fall empfehlenswert – wenn schon ein Lift da ist, wäre es ja Ressourcenvergeudung, diesen nicht zu nutzen – das sollten man vielleicht mal den ganzen Pistengehern auf der Wurzeralm sagen  – aber jeder wie er will. Nach dem Skifahrertrubel am Frauenkar, dutzende Skitourengeher schwärmten in alle Richtungen rund um das Warschenek aus, waren wir froh, dass wir nach der ersten Senke in ruhigere Gefilde kamen und sich das Feld deutlich lichtete. Die Einsamkeit und Stille des Hochplateaus warteten auf uns. Der Skimarkierung folgend kamen wir bald in einen guten Rhythmus und erreichten nach 2 Stunden die Liezenerhütte. Dem Tipp eines Ortskundigen folgend fuhren wir nicht zur Hochmölblinghütte ab, sondern querten oben das Plateau und erreichten über einen noch etwas (h)arschigen Lärchenhang bald den Grimmingboden. Zuerst dem noch tief verschneiten Bachlauf, dann einem steilen unsympathischen Querhang (diesen Abschnitt kann man sich auch nicht schönreden) entlang erreichten wir den Anstieg Richtung Tauplitz-Almböden. Harald mit super Tempo in bester Verfassung, etwas gebremst durch den etwas schwächelnden aber hart kämpfenden Christian, erreichten wir nach einigen sulzigen Abfahrtsmetern, herrlichen flachen Almböden, See-Ãœberquerungen und schon etwas mühsamen Gegenanstiegen das Tauplitzer Naturfreundehaus nach 7 Stunden in guter Zeit und konnten noch ein schnelles Bierchen in der Abendsonne schlürfen, bevor wir zum Abendessen gestaubt wurden. Nach dem Ausklang bei dem einen oder anderen Achterl am Stammtisch mit Jagern, den Wirtsleuten, Bergrettern und weiteren streunenden (Trink)gästen schafften wir dennoch im Hinblick auf die uns erwartende Etappe den rechtzeitigen Ausstieg aus der Runde, bevor es gefährlich wurde – man wird halt nicht nur älter sondern Gott sei Dank auch etwas gescheiter (zumindest manchmal).

Tag 2
Gut ausgeruht und gestärkt von einem ausreichenden Frühstück (frisches Gebäck statt hartes Brot – welch ein Genuss) – wir hauten so richtig rein – ging es mit hochtrabenden Plänen los. Da wir uns das Frühstück nicht entgehen lassen wollten, starteten wir erst um 8.30 um waren natürlich gleich in der vollen Sonne – der Schnee schon etwas weich – ging es rauf Richtung Tragl-Gabelung – nun stand die Entscheidung an – zwei Varianten Richtung Dietlscharte standen zur Auswahl – die mit ein paar Gipfeln (Weiße Wand, Blanka Mira) oder die direkte Variante, die etwas kürzer und mit weniger Höhenmetern. Nach kurzer Verlockung und mit Blick auf die längere Etappe entschieden wir uns aufgrund der Zeit, der Schneesituation (viel aber weich) und der Etappe des Vortages in den Knochen für die direkte Variante – und auch diese ist aufgrund der Distanz und der landschaftlichen Schönheit des Plateaus eine sehr lohnende Strecke. In sanften Auf- und Abschwüngen mit unglaublichen Ausblicken auf den Dachstein und die Pracht des Toten Gebirges näherten wir und der Weggabelung zur Pühringer-Hütte, begegneten nur einer Handvoll Tourengeher und waren sehr froh über unsere Entscheidung. Denn bei den Abfahrtsmetern, die wir hatten, vor allem am Fuße der Blanka Mira stellten wir fest, dass der Schnee noch nicht wirklich gut zu fahren war – Glasbruchharsch der Extraklasse mischte sich mit hartem Harsch, dazwischen Triebschneereste – vom herrlichen Frühjahrsfirn war hier noch nicht wirklich was zu sehen und forderte unsere Entscheidungsfreude heraus: Ski fixieren ja oder nein, Fell abnehmen ja oder nein, seitlich rutschen, absteigen, abschnallen. Eines ist klar – die Blanka Mira und die Weiße Wand holen wir uns noch – Schnee ist noch mehr als genug – und die Hänge sind sicher im April schöner zu fahren. In der Dietlhölle wurde unsere zeitige Ankunft belohnt, die Abfahrt war zwar schon etwas hart, dennoch zum Großteil noch aufgefirnt und so zogen wir unsere Schwünge Richtung Auto und blickten mit knallroter Stirn und etwas gespannter Gesichtshaut auf die Haute Route des Stodertals zurück.