Über das Kolmkar auf den Großen Woising 2064m

Das Abenteuer hat einen Namen!

Am 4. Oktober 2014 war es soweit. Sieben, bis an die Haarwurzeln motivierte Alpinisten, trafen sich am Fuße des Großen Woising. Die Anspannung war den Protagonisten ins Gesicht geschrieben. Man fühlte sich unweigerlich an den Filmklassiker „Die glorreichen Sieben“ erinnert.
Nach kurzer Begrüßung und Wartezeit, da unser Guide eine kleine Verspätung aufwies, ging es auf gutem Weg in Richtung Kolmkar.

Es war einer dieser schönen Herbsttage, wie sie im Bilderbuch stehen. Über dem Almtal lag noch der Nebel, aber man konnte schon erahnen, dass wir bald die herrliche Sonne genießen dürfen. Die Forststraße endet dann abrupt und man sieht einen gut ausgetreten Weg der uns im Wald immer höher führt. Vorbei an einer in Bau befindlichen feudalen „Jagdbehausung“ mit angrenzender Toilette stehen wir dann vor einem steilen Grashang. Dieser ist bei der herbstlichen Nässe mit einiger Vorsicht zu genießen. Auch kann man schon die markante Rampe mit Höhle sehen auf die wir nach links queren müssen.
Hier liegt, nach Aussagen unseres Guides, die Schlüsselstelle der Tour. Ein ca. 2m hoher Aufschwung, der sich aber als leicht zu überwindendes Hindernis darstellt. Bald gelangen DIE SIEBEN auf die Scharte des Kolmkars auf ca. 1700 m Höhe. Ein bisschen hat sich bei der verdienten Rast die Anspannung gelegt, da jeder noch die Worte unseres Guides in den Ohren hat:“ Nach der Rampe ist es eine g’mahde Wies’n“ 😉

Tja, so kann man sich irren, ab hier begann das wirkliche Abenteuer!!!

Der anfangs noch ausgeschnittene Weg durch die Latschen endet zuerst an den Abbrüchen des Toten Gebirges und später irgendwo im Nirvana. Nach kurzem Beratschlagen kämpfen wir uns immer Richtung Westen weiter, wo wir den Aufstiegsweg zum Woising vermuten. Latschen wohin das Auge blickt. Rauf und runter geht es im Minutentakt. Auch sind die Dolinen immer allgegenwärtig und man muss extrem aufpassen, denn der Kalkstein ist durch Wind und Regen messerscharf geschliffen. Interessant ist auch die Tatsache, dass zwischendurch wie von Geisterhand geschaffen, immer wieder „Stoamandln“ auftauchen und sogleich auch wieder verschwinden. So manch ein tapferer Wanderer entwickelt auf diese Weise eine ernsthafte und nicht zu unterschätzende „Stoamandl Allergie“.
Euer Hüttenkönig hat nach der gefühlten 1 Millionsten Latsche beschlossen, dass in der heurigen Saunasaison das Latschenkieferöl nicht sein bevorzugter Saunaduft wird!

Spaß beiseite: Man musste wirklich gut aufpassen und sicher steigen. Auch ist ein gewisser Orientierungssinn gefragt und natürlich darf keine Latschen-Phobie bestehen. Gott sei Dank war herrlichstes Bergwetter. Bei schlechten Bedingungen ist von solchen Unternehmungen absolut abzuraten. Da kann das Tote Gebirge schon mal seine unangenehme, ernsthafte Seite zeigen.
Ab der Scharte benötigten wir ca. 4 Stunden durch die Latschen, bis wir den Weg Nr.232 auf den Woising erreichten (geschätzte 2,5 km). Als Vergleich benötigten wir vom Parkplatz bis zur Scharte nur 3h.
Jetzt kann Euer Hüttenkönig nachfühlen was Christoph Kolumbus anno 1492 (was auch das Gründungsjahr der Stiegl Brauerei war) fühlte als der Mann im Ausguck: LAND IN SICHT schrie! 😉
Hier trennten sich die glorreichen Sieben. Euer Hüttenkönig und Rainer hatten eine Mission vor Augen. SO SCHNELL WIE MÖGLICH ZUM APPEL HAUS! Denn an diesem Tag war Hüttenabschluss, und den wollten wir auf keinen Fall versäumen! Die anderen 5 unerschrockenen bezwangen den Großen Woising 2064m.
Der anschließende Abend war geprägt von:
1.Durst
2.Hunger
3.Und Rückblenden auf das Erlebte!

Zusammenfassend, war es ein schöner Hüttenabend nach einer wirklich ausgiebigen Tour.
Gehzeiten ohne Woising: ca. 8 Stunden – mit Woising ca. 9 Stunden

Am nächsten Tag ging es auf dem Normalweg zurück Richtung Pühringerhütte. Über den Redenden Stein 1900m, Wildgößl 2062m und dem Grieskarsteig hinunter erreichten wir den Almsee. Auch eine lange Tour, auf der man so mach kurioses erleben kann.
So z.B. sind zwei ambitionierte Wanderer gleich 2 Stunden in die falsche Richtung gelaufen und haben somit ihre Wanderung um 4 Stunden verlängert! Tja, das Tote Gebirge forderte nicht nur bei uns seinen Tribut! 😉

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass es trotz einiger Unwegsamkeiten eine tolle Tour ist und die glorreichen SIEBEN in der nächsten Bergsaison wieder gemeinsam aus(sch)reiten werden.


Hüttenbewertung:

Albert Appelhaus:
Solide Basis mit musikalischem Hüttenwirt ergibt für das Albert Appelhaus 3 von 5 Ratsherrnflaschen.